Die einfache Antwort auf diese Frage ist ja, aber nur für bestimmte Typen von Menschen und in bestimmten Setups.
Meine ersten Erfahrungen mit Remote Work reichen bis ins Jahr 2017 zurück. Damals in der Gründungsphase der BeastBI GmbH unterstützten wir andere Unternehmen bei ihren Projekten im digitalen Marketing, allerdings musste ich regelmäßig an die jeweiligen Startorte reisen und konnte die Leistung in unseren Büroräumen nicht immer erbringen. Weniger wegen der tatsächlichen Notwendigkeit, sondern wegen der damals sehr festen Arbeitsstrukturen unserer Kunden. Aber bereits damals konnte ich teilweise bzw. tageweise im Homeoffice oder eben remote arbeiten. Nach COVID hat sich die gesamte Wahrnehmung zum Thema natürlich massiv verändert. Ich arbeite seit Ende 2022 vollständig remote und kann aufgrund der knapp letzten 10 Jahre einiges zum Thema Produktivität und Remote Work beitragen.
Was bedeutet Produktivität im Kontext von Remote Work?
Zunächst müssten wir kurz definieren, was ich mit Produktivität meine. Es ist nicht nur das Erledigen von Routineaufgaben oder das möglichst schnelle Beendigen möglichst vieler Aufgaben in kurzer Zeit, sondern auch wirklich Themen voranzutreiben oder Projekte abzuschließen. Entsprechend gibt es mehrere Ebenen der Produktivität.
- Effizienz – Wie gut werden Zeit und Energie eingesetzt und wie viel Ablenkung gibt es?
- Qualität der Arbeit – Wie gut sind die Ergebnisse? Stiften Sie Mehrwert oder verdienen Sie Geld?
- Arbeitszufriedenheit – Habe ich Freude am Arbeitsumfeld, eine Bindung zum Unternehmen und einen guten Umgang mit Kollegen?
- Langfristige Leistungsfähigkeit – Burnout-Risiken, Erholung, Soziale Kontakte, Fokus?
1. Effizienz
Im ersten Block beleuchte ich das Thema Arbeitszeit, den Energieaufwand und die Intensität, mit der man sich insgesamt auf die Arbeit konzentrieren kann.
Zeitersparnis
Regelmäßige Pendler, aber auch Angestellte, die einen normalen Arbeitsweg haben, wissen, dass täglich leicht 30–60 Minuten dafür benötigt werden, in die Arbeit zu fahren. Hier schont Remote Work oder das Homeoffice natürlich nicht nur die Lebenszeit, sondern auch die Nerven. Entsprechend hat man deutlich mehr Kapazitäten für produktive Tätigkeiten.
Unter der Annahme, dass jemand im Homeoffice genauso viele Stunden arbeitet wie vor Ort, entsteht dadurch bereits ein Nettogewinn an Lebenszeit und Qualität. dieser Effekt summiert sich schnell auf. Entsprechend werden wir aus einer Woche, in der man sich 5 Stunden spart, in einem Jahr schnell 200–250 Stunden. Natürlich sind gewisse Jobs nur vor Ort zu erledigen, aber aus der Sicht von Tätigkeiten, die im Homeoffice erledigt werden können - was fast alle Jobs im digitalen Umfeld sind - ist dieser Faktor allein enorm. Hinzu kommen Effekte wie das flexiblere Gestalten von nicht arbeitsbezogenen Terminen wie Kinderbetreuung, Einkäufe, Sport und vergleichbaren Themen.
Um es vorwegzunehmen, zeigt sich hier , dass Menschen mit hoher Selbstorganisationsfähigkeit, aber auch mit hoher Zeitpräferenz und hohem Leistungsbewusstsein Remote Work fast nur Vorteile bringt.
In diesem Zusammenhang sei auch der Arbeitszeitbetrug erwähnt. Ich stelle mal die verwegene These auf, dass Leute in Büros nicht unbedingt mehr arbeiten als Leute im Homeoffice, da es dort auch genug Tricks wie Kaffeepausen oder sinnlose Meetings gibt. Von Meetings, die zu privaten Gesprächen genutzt werden, reden wir gar nicht erst. Und natürlich gibt es überall schwarze Schafe, die einfach nur die Zeit laufen lassen und nicht wirklich produktiv arbeiten. Im Bereich Qualität gehe ich noch näher auf diese Aspekte ein, aber ähnliche Effekte gibt es auch in Büros. Leute können unabhängig von Meetings und "Kaffeepausen" privaten Themen auf ihren Computern nachgehen oder einfach insgesamt langsam oder unproduktiv arbeiten. Entsprechend ist das Thema nicht ganz einfach zu greifen.
Wenn wir uns den Aspekt Meetings nochmal genauer anschauen – in der Tendenz denkt man, dass man, wenn man remote oder asynchron arbeitet, mehr Meetings braucht. Aus meiner Erfahrung ist das nicht unbedingt der Fall. Selbstverständlich kenne ich Organisationen und Mitarbeiter, die 7 von 8 Stunden in Meetings verbringen und kaum produktiv arbeiten – dies ist aber erfahrungsgemäß entweder der Rolle geschuldet oder die Ausnahme. Oft sind regelmäßige Abstimmungen ausreichend, ebenso kurze Abstimmungen per Messenger oder kurze Anrufe. Im Kern sind kurze digitale Abstimmungen nichts anderes als im "echten" Leben zu einem Kollegen zu laufen ohne die Verführung eines kurzen Schwätzchens. Wenn wir alle ehrlich sind, wenn wir mit jemandem privat reden wollen, schaffen wir das digital oder vor Ort.
Bei der BeastBI gibt es als Beispiel keine Team-Jour fixe oder Ähnliches, da diese Arbeit von Meetings kaum Mehrwert für den Einzelnen bietet, abgesehen von Selbstinszenierung. Argumente, wie Wissenaustausch, Updates und Teambindung einfach nur ein schlechter Cope sind. Unter dem Strich ist Remote Work für den Arbeitenden sicher ein großes Plus, wenn es alleine um das Thema Zeit geht.
Energie
Beleuchten wir nun das Thema Energie im Zusammenhang und im Vergleich zwischen Remote-Work und "Vor-Ort"-Arbeit. Ich kenne niemanden, der nach 30 Minuten Anfahrt im "Bestfall" mit Stau, schlechten Wetterbedingungen und Ähnlichem die Füße in ein Büro setzt und sich denkt: "Ich bin jetzt so richtig energiegeladen" oder "Ich werde jetzt direkt meine beste Leistung abrufen". Dieser Effekt ist nach der Arbeit sogar noch schlimmer.
Meiner persönlichen Meinung nach ist dies ein Grund, warum häufig Energie für Sport, Bewegung, Hobbys, Freunde, Familie, Partner oder für wirklich qualitative Zeit mit sich selbst fehlt. Diese fehlende Energie zeigt sich dann in Fast Food, schlechter Laune, Antriebslosigkeit oder im Doom-Scrolling. Damit will ich niemanden aus der Verantwortung nehmen, aber dadurch werden aus 8 Stunden Arbeit leicht 9 oder 10 und der Alltag eine logistische Herausforderung in sich. Ohne einen starken Willen oder ein gutes System ergibt man sich leicht dem Weg des geringsten Widerstands. Im Sinne des Zeitparagraphen kann man seine Energie auch besser managen, etwa durch sinnvolle Pausen oder einen Rhythmus, der effizientes Arbeiten ermöglicht. Ob das Sport in der Mittagspause, das Kochen eines gesunden Essens oder einfach mal 15-30 Minuten um den Block laufen ist.
Wir haben alle nur begrenzte Energie sowie mentale und psychische Kapazität. Alles, was uns weniger Stress und Druck bereitet, ist damit zumindest kein Energieverlust. Entsprechend geht dieser Punkt auch klar an Remote-Work-Setups.
Ablenkung
Ich sage es gleich vorab: Dieser Punkt wird wohl ein Unentschieden sein und es wohl auch immer bleiben, aber tatsächlich mit leichten Vorteilen für das Thema "Vor-Ort"-Arbeit.
Da wir alle Menschen sind, gehen wir standardmäßig den Weg des geringsten Widerstands. Hin zur Belohnung weg vom Schmerz. Entsprechend ist die Verführung ohne "Kontrolle" leicht, nicht zu arbeiten oder weniger produktiv zu arbeiten. Auch wenn das im Büro möglich ist, ist es schwieriger, mit den Augen, die auf einen gerichtet sind. Ebenso gibt es im Büro zwar Kollegen und andere Dinge, die ablenken können, aber im Zweifel nicht mal im Ansatz so viele Dinge wie im eigenen Zuhause, auf Reisen oder in einem Coworking-Space. Das ist nicht immer, für alle und unter allen Umständen so, aber in der Tendenz sicher wahr.
Natürlich kann ich einen Tag mal im Coworking-Space, wo 15 Leute um mich herum reden, arbeiten und rumlaufen, auch sehr konzentriert sein. Im Café in die Zone kommen und eine krass gute E-Mail schreiben, Projektplanung machen oder Ähnliches. Natürlich muss man bei Remote Work auch direkt zwischen „ich arbeite von zu Hause remote“ und „ich arbeite außerhalb“ unterscheiden. Aber jede, die schon mal auf einer Dienstreise war oder noch besser regelmäßig Dienstreise gemacht hat, weiß, dass echte Deep Work nur in ruhigen, mit wenig Ablenkung versehenen Orten möglich ist. Natürlich ist nicht jeder Tag Deep Work, muss auch nicht sein, aber wenn man konstant nicht nur E-Mails schreibt, Calls macht oder Meetings veranstaltet, ist "richtig" Arbeiten nicht in Cafés am Strand möglich. Gleiches gilt, wenn man "neben" der Arbeit noch den Haushalt schmeißt, sich um die Kinder kümmern muss und am besten noch das eigene Side Hustle vorantreibt.
Entsprechend gilt die Regel: Umso intensiver die Arbeit, umso leichter lässt man sich ablenken; ruhige Orte mit dem klaren Zweck der Arbeit sind zu bevorzugen. Dies kann das Büro beim Arbeitgeber sein oder in den eigenen 4 Wänden ein dedizierter Arbeitsplatz. In Summe denke ich aber, dass die Ablenkungen im Remote-Work-Setup in den meisten Fällen leicht höher sind als im Büro. Zumindest in der Tendenz. Aus diesem Grund sollte man auch nicht zu häufig und zu extrem dem „Work and Travel" und ähnlichen Ansätzen nachrennen, wenn man wirklich effizient und produktiv arbeiten will.
2. Qualität der Arbeit
Ein beliebtes Problem der Moderne ist, dass wir von Dingen zu viel wollen. Arbeit muss Spaß machen, Erfüllung bringen und natürlich ganz viel Geld verdienen. Dabei vergessen wir gerne mal,dass Arbeit eigentlich nur ein Austausch, einer Dienstleistung für Geld ist. Unternehmer(n) verkaufen dann diese Dienste oder daraus entstehende Produkte weiter. Entsprechend ist es im Interesse eines jeden Angestellten, eines Freelancers aber selbst des Unternehmers, eine möglichst hohe Qualität der Arbeit bzw. Leistung zu erbringen.
Dies ist aber abhängig vom Setup und vom Typ des Jobs/der Aufgabe: schwer oder leichter möglich. Jemand, der im Kern nur Standardaufgaben zu erfüllen hat, kann dies entsprechend leichter zeit- und ortunabhängig machen. Einfache administrative Tätigkeiten, E-Mails und nicht komplexe Anfragen beantworten sind hier Beispiele. Einen komplexen Arbeitsvertrag bekommt man aber so vielleicht nicht mehr ideal hin. Von komplexen CRM-Migrationen oder Entwicklungsarbeit spreche ich gar nicht erst. Genauso kann der Sales-Mitarbeiter einen schwierigen Call nicht unbedingt gut in einer Umgebung machen, in der es sehr laut ist. Das gilt für Strandbars genauso wie für überlaute Großraumbüros. Entsprechend sieht man, dass die Qualität der Arbeit viel weniger von Remote oder "Vor Ort" als von der Aufgabe und den Umständen abhängt.
Hot Take: Deshalb um konstant gute Arbeit zu leisten muss man standardmäßig eine ruhige Umgebung und wenig Ablenkung haben.
In meinem persönlichen Setup verweile ich meist nicht länger als ein paar wenige Tage in Coworking-Spaces oder ähnlichen Situationen. In Phasen mit wenig Zeit und hohem Druck kann ich am effizientesten und am besten von zu Hause aus arbeiten. Entsprechend ist für mich und wahrscheinlich für niemanden auf Dauer ein Modell des konstanten Ortswechsels tragfähig. Aus diesem Grund habe ich sowohl in Deutschland als auch in Dubai ein dediziertes Büro oder einen Ort, an dem ich arbeite.
Um hier ein paar Vergleiche und persönliche Erfahrungen auch von Bekannten und Freunden zu teilen.
Ich höre meist von klassischen Angestellten, dass sie aufgrund zu vieler Meetings nicht in die Konzentration auf die Arbeit kommen. Dieses Problem ist in Großraumbüros besonders ausgeprägt. Einzelbüros sind zwar besser, aber laden auch gerne zu innerer Ablenkung ein. Aus meiner persönlichen Erfahrung und aus unzähligen Gesprächen ist das Optimum ein Büro mit 2–6 Personen. Dadurch ist man nicht so allein, dass keine Spannung mehr da ist, aber auch nicht zu abgelenkt. Es dient auch als eine gewisse gegenseitige Kontrolle. Sind wir wieder ehrlich, wir sind alle Menschen und machen meistens nur so viel wie nötig.
Aus meinem Umfeld mit anderen Freiberuflern oder Leuten, die insgesamt sehr unabhängig arbeiten können, hör ich nur Positives zur Lösung von eigenem Büro zu Hause. Allerdings keine geteilten Räume wie das Wohnzimmer. Für ein paar Wochen können auch Setups wie Work-and-Travel funktionieren, aber nach einer gewissen Zeit mit zu viel "Action" und Input kommen die meisten an ihre Grenzen. Ich habe oft von positiven Erfahrungen mit dem Wechsel vom Einzelbüro im Remote-Setup, dann im Hotelzimmer oder von zu Hause, und immer mal wieder Coworking gehört. Ich habe noch von niemandem gehört, dass er mehr als 1-2 Tage lang produktiv von einem Café aus arbeiten konnte. Von E-Mails schreiben und Sachen auf Social Media posten abgesehen. Entsprechend muss man für Content Creator und Ähnliches hier etwas großzügiger sein.
Der absolute Horror für mich persönlich ist der Vor-Ort-Termin. So produktiv Sie von Zeit zu Zeit sein können, sind Sie meistens extreme Zeitfresser. Wenn man sieht, wie viel Lebenszeit und Energie es kostet, würde ich Unternehmen, die mit Freiberuflern arbeiten, nicht empfehlen, diese zu oft vor Ort einzusetzen, da es für alle Beteiligten nur unnötigen Mehraufwand und Stress ist. Meine Meinung: Max. 1x im Monat sollte ausreichen, sonst ist es die falsche Firma oder der falsche Freelancer – oder beides.
Als letztes Beispiel: Ich arbeite am besten von einem Home-Setup aus, allerdings ist Abwechslung wichtig. Wenn ich nicht alle paar Monate etwas an der Umgebung verändere, fällt mir die Decke auf den Kopf und werde unproduktiv. Dieser Tipp ist für Unternehmer, Freelancer und Unternehmen gleichermaßen wichtig. Abwechslung erhöht die Qualität der Arbeit bei so gut wie jedem, auch dem Festgefahrenen, und wenn es nur der Effekt ist, dass man schnell wieder in sein gewohntes Muster will.
3. Arbeitszufriedenheit
Durch die digitale und mobile Welt, in der wir leben, menschelt es leider immer weniger. Zumindest für viele. Am Ende sind wir alle soziale Wesen, die nicht ohne andere auskommen können und wollen. Und auch wenn ich regelmäßig viele Calls habe, ersetzt dies persönliche Kontakte nicht.
Menschen, die fast jeden Tag im Büro sind, können sich gar nicht vorstellen, was es heißt, den Großteil des Tages allein zu sein. Ich persönlich bin eher introvertiert und kann gut Zeit mit mir selbst verbringen. Ebenso habe ich ein hohes Maß an Selbstorganisation und Selbstmotivation. Das gilt wahrscheinlich auch für viele andere Freelancer, aber sicher auch für Angestellte. Die Frage ist: Wie stark ist die Selbstorganisation wirklich, wenn Aufgaben, Termine und Ziele nicht zu 100% klar definiert sind?
Ich organisiere Reisen, Coworking-Spaces und meine gesamte Arbeitsumgebung komplett selbstständig und bin sehr zufrieden damit. Aber wie viele Angestellte würden sich mehr Flexibilität wünschen? Jetzt kommt für viele aus dem mittleren, aber auch aus dem höheren Management eine sehr harte Pille zum Schlucken. Gute Mitarbeiter werden gut sein, unabhängig davon, wo sie arbeiten. Dies gilt analog für mittelmäßige und schwache Mitarbeiter. Das Bestehen auf "Vor-Ort"-Regeln ist ein falsches Gefühl von Kontrolle oder Kultur, das man haben will. Die traurige Wahrheit ist, dass man sich nicht eingestehen will, dass viele Mitarbeiter eher Low-Performer sind. Kompliziert, langsam oder einfach unmotiviert. Durch den Anpeitscher denkt man, etwas ausgleichen zu können, und auch wenn das sicher zu ein paar Prozent zutrifft, hemmt man auf der anderen Seite die Arbeitszufriedenheit und Leistung der wirklichen Zugpferde. Wie bei fast allem im Leben gilt das 80/20-Prinzip.
Ich persönlich bin mit 100% davon überzeugt, dass man die besten Mitarbeiter und Talente in digitalen Jobs nur halten kann, wenn man ihnen Freiheit und Flexibilität gibt. Wir arbeiten nicht mehr in Fabriken, in denen die reine Anzahl der Stunden entscheidend für den Output ist. Über die Zeit kann man in 4 Stunden mehr hinbekommen als in einer Stunde - Keine Frage. Aber kann ich wirklich so viel mehr in 8 statt 6 Stunden hinbekommen? In einem Job, der hauptsächlich aus dem Denken und dem Lösen von Problemen besteht - In dem die eigentliche Umsetzung nur ein Bruchteil der Arbeitszeit (vielleicht 20%) ist? Dies gilt für HR,Marketing, Finance, IT und alle anderen Bereiche der digitalen Wirtschaft.
Entsprechend lautet mein Plädoyer: "Nur glückliche Kühe geben Milch." Es geht nicht darum, ob jemand im Homeoffice 6 oder 8 Stunden produktiv arbeitet, sondern darum, ob Ergebnisse geliefert werden.
Ein großer Teil der Arbeitsunzufriedenheit, vor allem bei den guten Mitarbeitern, kommt daher, dass sie nach denselben Maßstäben gemessen werden wie alle anderen. Einiges kommt aufgrund des fehlenden Mutes von Führungskräften, schwache Mitarbeiter als das, was sie sind, zu benennen und entsprechend zu handeln.
Insgesamt sind kleine aber zufriedene Remote-Teams viel produktiver als größere "Vor-Ort"-Teams, die sich in der Tendenz nach den schwächsten Mitgliedern orientieren. Natürlich gibt es einiges zu beachten, wenn man Remote-Teams führt, aber heute geht es nur um die Betrachtung der Produktivität im Kontext von Remote vs. "Vor-Ort" sowie der zugrunde liegenden Arbeitszufriedenheit.
Als Schlussgedanke zu diesem Block. Motivation schlägt in 10 von 10 Fällen Kontrolle bei fähigen und selbstorganisierten Mitarbeitern. Und für diese gilt es, das Arbeitsumfeld zu optimieren, nicht um maximale Fairness. Mir ist bewusst, dass es teilweise mit den Arbeitsgesetzen in manchen Ländern nicht vereinbar ist, aber nur, weil sie aus Zeiten stammen, die leider weniger mit der Realität der heutigen Zeit zu tun haben. Und genau deswegen kommt es zu Dingen wie Arbeitszeitbetrug und endlosen Diskussionen darüber, was besser ist: Homeoffice, hybrides Arbeiten oder reines Vor-Ort-Arbeiten.

4. Langfristige Arbeitszufriedenheit
Im Verlauf weiterer Beiträge wird erkennbar sein, dass ich nicht viel auf Studien, Quellen oder Ähnliches gebe, da die meisten entweder "biased" sind oder man immer gegenteilige Studien finden wird. Im Kern ist das hier meine Meinung mit dem Hintergrund von Jahren an Erfahrung und Hunderten, wenn nicht Tausenden, Gesprächen. Nichtsdestotrotz mache ich hier Cherry-Picking und trage ein paar Ergebnisse von Studien, die meinen Punkt für Remote Work machen zusammen:
Viele Studien berichten von Produktivitätssteigerungen bei Remote-Arbeitenden (1), (2), (3)
Aber wenn wir uns jetzt das Thema langfristige Arbeitszufriedenheit als Synthese der letzten 3 Teile anschauen, wird klar: Niemand will Zeit verschwenden oder pendeln, wenn es nicht nötig ist. Niemand will härter arbeiten als nötig. Entsprechend ist es für schlechte wie für gute Mitarbeiter immer die bessere Wahl, ihnen die Freiheit zu geben, ob sie von zu Hause oder von woanders arbeiten wollen. Langfristig macht ein zu starres System vor allem die guten Mitarbeiter unzufrieden, und sie werden versuchen, es zu ihrem Vorteil zu nutzen oder sie brennen aus. Das Ziel sollte es aber sein, die Ziele von Mitarbeitern und Unternehmen in Linie zu bekommen, um maximale Produktivität und Zufriedenheit rauszuholen. Dies kann dann manchmal zu schwierigen und harten Entscheidungen führen, aber das ist eben Teil einer modernen Arbeitswelt.
Meine Meinung: Wer nicht langfristig Remote Work einsetzt verliert die besten Mitarbeiter oder kann nicht wirklich gute Mitarbeiter gewinnen.
5. Fazit
Produktivität steigt – wenn Remote Work richtig gestaltet wird
Offensichtlich ist Remote Work bzw. Homeoffice im großen Ganzen, das weit überlegene Arbeitsmodell. Argumente, wie Produktivität und Firmenkultur sind Ausreden für schlechte Mitarbeiterführung und/oder Selektion. Off-Topic-Argumente wie Geld, das man mit kleineren Büros sparen könnte, oder die positiven Folgen für Gemeinschaften und den Straßenverkehr führe ich gar nicht an. In einem anderen Beitrag wird es mehr um das Thema Fake Jobs gehen.
Mein Fazit: Firmen, die stark auf Vor-Ort beharren, sind wie Dinos, die höchstens durch Marktmacht und ähnliche Faktoren bestehen können, aber wenig am eigentlichen Wohlbefinden der Mitarbeiter oder an der Maximierung der Produktivität interessiert sind.
Mit etwas Willen, die Guten zu belohnen und wieder allgemein weg von Anspruchsdienken zu einer Leistungskultur zurückzukehren, würde vor allem im deutschen und europäischen Umfeld Wunder bewirken. Ist das gewollt? Sicher nicht! Aber einen Artikel nach dem anderen, eine gewagte These nach der anderen zur modernen Arbeitswelt.
